Das „Wiener Modell“: 365 Tage uneingeschränkte öffentliche Mobilität

Mobilität & Transport Städte & Regionen



Attraktive Preisgestaltung zur Steigerung der Nutzung öffentlicher Verkehrsangebote


Project Facts

Standort
Österreich
Wien

Finanzierung
Öffentliche Einkünfte

Projektzeitraum
Start: 2012
In Betrieb seit/ab: 2012

Die Story

Wien bietet ein dichtes und diversifiziertes öffentliches Verkehrssystem: Busse, Straßenbahnen, U- und S-Bahnen bringen Passagiere rasch und bequem an nahezu jeden Punkt in der Stadt und darum herum. Insgesamt betreiben die Wiener Linien fünf U-Bahnlinien, 29 Straßenbahn- und 127 Buslinien, von denen 24 Nightline-Busse sind. An Wochenenden und Feiertagen fährt auch die U-Bahn die ganze Nacht durch.

Um die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs in Wien weiter zu steigern, führte die Stadt im Jahr 2012 das neue „Wiener Modell“ ein: Der Tarif für eine Jahreskarte wurde von 449 Euro auf 365 Euro gesenkt – das entspricht 1 Euro pro Tag für unbegrenzte öffentliche Mobilität. Für SeniorInnen beträgt der Preis 235 Euro. Das Ticket berechtigt die Inhaber zur Nutzung aller in der Wiener Kernzone verfügbaren Linien des öffentlichen Nahverkehrs (mit Ausnahme einiger Schnellbusse), einschließlich der Züge der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) und der Wiener Lokalbahnen. Unternehmen können die Jahreskarte für ihre Angestellten kaufen und sie als „Jobticket“ steuerlich geltend machen.

Nach Einführung dieses Preismodells stieg die Zahl der JahreskartenbesitzerInnen von 363.000 im Jahr 2011 auf 852.000 im Jahr 2019 deutlich an. Infolgedessen nutzt heute etwa die Hälfte der erwachsenen Wiener Bevölkerung die Jahreskarte und der Anteil des öffentlichen Verkehrs an den täglich zurückgelegten Wegen („Modal Split“) ist auf 38% gestiegen – verglichen mit 27% in Berlin, 23% in München oder 18% in Hamburg.

Zur Finanzierung dieser erfolgreichen Öffi-Initiative erhalten die Wiener Linien jährliche Zuzahlungen vonseiten der Stadt und der Bundesregierung in Höhe von 700 Millionen Euro. Zwei wesentliche Maßnahmen tragen dazu bei, die Kosten zu begrenzen: die Erhöhung der Parkgebühren um 60 % seit 2012 und eine „U-Bahn-Steuer“ für Unternehmen, die sich auf rund 2 € pro Monat für jeden Arbeitnehmer beläuft.

Erfolgsfaktor | Hero Moment
Aufgrund des nachhaltigen Erfolgs des Modells haben andere österreichische Bundesländer die Maßnahme inzwischen kopiert. Und auch international ist das „Wiener Modell“ zum Vorbild geworden. Vor dem Hintergrund europaweiter Anstrengungen zur Erreichung der EU-Umweltziele prüfen etwa Städte wie München oder Berlin derzeit ähnliche Modelle für Dauerkarten.

Einreicher
Stadt Wien, Österreich

Weitere involvierte Stakeholder
Wiener Linien GmbH & Co KG

Kontakt
post@wienerlinien.at

Website
www.wienerlinien.at

Hard Facts
852.000 Menschen profitieren direkt